Die Gefühlskarten

Acht Karten, mit denen dein Kind zeigen kann, was los ist, bevor es explodiert

  • 8 Karten: froh, wütend, traurig, müde, ängstlich, aufgeregt, stolz, überfordert
  • Zu jedem Gefühl ein Satz, der hilft — und einer, der es schlimmer macht
  • Wie ihr die Karten benutzt, ohne dass sie zum Verhör werden
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Was drinsteht

Wer sein Gefühl zeigen kann, muss es nicht ausagieren

Kleine Kinder haben Gefühle in voller Stärke, aber kaum Wörter dafür. Was als Schreien, Hauen oder Türenknallen ankommt, ist meistens ein Gefühl ohne Ausgang. Ein Kind, das auf eine Karte zeigen kann, hat einen Ausgang — und braucht den lauten dann seltener.

Das ist kein Trick, der Wutanfälle abschafft. Es verschiebt nur den Zeitpunkt: weg vom Moment, in dem nichts mehr geht, hin zu dem davor. Genau dort ist noch etwas möglich.

Und ein Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Auch du darfst auf die Karten zeigen. Ein Kind, das sieht, dass Erwachsene müde oder überfordert sein dürfen, lernt mehr über Gefühle als aus jedem Gespräch darüber.

So benutzt ihr sie

  1. 1

    An einen Ort, den dein Kind erreicht

    Kühlschrank, Kinderzimmertür, Küchentisch. Die Karten müssen greifbar sein, wenn es drauf ankommt — in einer Schublade nützen sie nichts.

  2. 2

    Zeigen lassen, nicht abfragen

    "Magst du zeigen, wie es dir gerade geht?" — und dann aushalten, wenn nichts kommt. Wer ausgefragt wird, macht dicht. Wer ein Angebot bekommt, greift irgendwann zu.

  3. 3

    Das Gefühl bestätigen, nicht wegdiskutieren

    Wenn dein Kind auf "wütend" zeigt, ist die richtige Antwort "Du bist wütend" — nicht "Aber du hast doch gerade …". Ein Gefühl, dem widersprochen wird, wird lauter.

  4. 4

    Selbst mitmachen

    Zeig abends auch mal auf "müde" oder "überfordert". Das nimmt den Karten das Prüfungshafte und macht sie zu etwas, das der Familie gehört.

Zum Ausschneiden

Auf festeres Papier drucken. Wenn ihr sie laminiert, halten sie Jahre.

Froh
Mir geht es gut
Wütend
Ich platze gleich
Traurig
Mir ist zum Weinen
Müde
Ich kann nicht mehr
Ängstlich
Mir ist mulmig
Aufgeregt
Ich kann kaum warten
Stolz
Das habe ich geschafft
Zu viel
Alles ist zu laut
Acht Gefühlskarten liegen im Halbkreis auf einem Teppich, eine Kinderhand greift danach
Acht Gefühle zum Zeigen — für die Momente, in denen Worte noch nicht reichen.KI-generiertes Bild
Kind hält einem Elternteil eine Gefühlskarte hin, beide auf Augenhöhe
Gezeigt statt geschrien. Das ist der ganze Unterschied.KI-generiertes Bild

Was zu jedem Gefühl hilft

Links, was rausrutscht. Rechts, was dasselbe meint und weiterführt.

Wütend: "Beruhig dich."
"Du bist wütend. Ich bleibe da."
Beruhigen kann sich nur, wer nicht allein ist.
Traurig: "Ist doch nicht so schlimm."
"Das tut weh. Soll ich mich dazusetzen?"
Trost braucht Anerkennung, nicht Relativierung.
Ängstlich: "Da ist doch nichts."
"Ich schau mit dir nach."
Die Angst verschwindet nicht, weil du sie für unbegründet hältst.
Zu viel: "Jetzt stell dich nicht so an."
"Zu laut? Komm, wir gehen kurz raus."
Reizüberflutung ist kein Verhalten, sondern ein Zustand.
Stolz: "Siehst du, geht doch."
"Du hast lange geübt. Wie fühlt sich das an?"
Lob bewertet. Die Frage lässt das Gefühl bei deinem Kind.

Wenn ein Gefühl nicht mehr weggeht

Karten sind für den Alltag. Wenn dein Kind über Wochen fast nur auf traurig, ängstlich oder überfordert zeigt, kaum noch spielt oder schlecht schläft, gehört das besprochen — mit der Kinderärztin oder einer Erziehungsberatungsstelle, die in Deutschland kostenlos und anonym ist.

Die Gefühlskarten hängen an einem Ring an der Kinderzimmertür
In Reichweite aufhängen. Was man erst suchen muss, benutzt niemand.KI-generiertes Bild

Häufige Fragen

Ab welchem Alter versteht ein Kind Gefühlskarten?
Zeigen und zuordnen klappt bei vielen Kindern ab etwa zweieinhalb bis drei Jahren. Jüngere Kinder benutzen die Karten eher wie Bilderbuchseiten — auch das ist nützlich, weil sie so die Wörter hören, lange bevor sie sie selbst brauchen.
Mein Kind will die Karten nicht benutzen.
Dann leg sie hin und benutz sie selbst. Kinder übernehmen Werkzeuge, die sie bei Erwachsenen im Gebrauch sehen, deutlich eher als solche, zu denen sie aufgefordert werden. Nach ein paar Wochen greifen die meisten von allein zu.
Helfen die Karten mitten im Wutanfall?
Meistens nicht — im Anfall ist Sprache und Symbolik weg. Ihre Stärke liegt davor: Ein Kind, das früh zeigen kann, dass es kippt, kommt seltener bis zum Anfall. Und danach helfen sie beim Sortieren.