Was drinsteht
Wer sein Gefühl zeigen kann, muss es nicht ausagieren
Kleine Kinder haben Gefühle in voller Stärke, aber kaum Wörter dafür. Was als Schreien, Hauen oder Türenknallen ankommt, ist meistens ein Gefühl ohne Ausgang. Ein Kind, das auf eine Karte zeigen kann, hat einen Ausgang — und braucht den lauten dann seltener.
Das ist kein Trick, der Wutanfälle abschafft. Es verschiebt nur den Zeitpunkt: weg vom Moment, in dem nichts mehr geht, hin zu dem davor. Genau dort ist noch etwas möglich.
Und ein Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Auch du darfst auf die Karten zeigen. Ein Kind, das sieht, dass Erwachsene müde oder überfordert sein dürfen, lernt mehr über Gefühle als aus jedem Gespräch darüber.
So benutzt ihr sie
- 1
An einen Ort, den dein Kind erreicht
Kühlschrank, Kinderzimmertür, Küchentisch. Die Karten müssen greifbar sein, wenn es drauf ankommt — in einer Schublade nützen sie nichts.
- 2
Zeigen lassen, nicht abfragen
"Magst du zeigen, wie es dir gerade geht?" — und dann aushalten, wenn nichts kommt. Wer ausgefragt wird, macht dicht. Wer ein Angebot bekommt, greift irgendwann zu.
- 3
Das Gefühl bestätigen, nicht wegdiskutieren
Wenn dein Kind auf "wütend" zeigt, ist die richtige Antwort "Du bist wütend" — nicht "Aber du hast doch gerade …". Ein Gefühl, dem widersprochen wird, wird lauter.
- 4
Selbst mitmachen
Zeig abends auch mal auf "müde" oder "überfordert". Das nimmt den Karten das Prüfungshafte und macht sie zu etwas, das der Familie gehört.
Zum Ausschneiden
Auf festeres Papier drucken. Wenn ihr sie laminiert, halten sie Jahre.


Was zu jedem Gefühl hilft
Links, was rausrutscht. Rechts, was dasselbe meint und weiterführt.
Wenn ein Gefühl nicht mehr weggeht
Karten sind für den Alltag. Wenn dein Kind über Wochen fast nur auf traurig, ängstlich oder überfordert zeigt, kaum noch spielt oder schlecht schläft, gehört das besprochen — mit der Kinderärztin oder einer Erziehungsberatungsstelle, die in Deutschland kostenlos und anonym ist.

