Die Familienregeln für Kinder

Ein Plakat mit zwölf Regeln und Bildern, ein leeres zum Selbstgestalten und Ideen zum Aussuchen — damit Regeln bei euch zu Wir-Sätzen werden

Vorschau: erste Seite von „Die Familienregeln für Kinder“
  • Ein Plakat mit zwölf Regeln und Bildern, die auch Kinder lesen können, die noch nicht lesen
  • Ein leeres Plakat für eure eigenen Regeln, zum Ausmalen und gemeinsam Unterschreiben
  • Über 20 Regel-Beispiele zum Aussuchen und wie aus „Nicht schreien“ ein Satz wird, der sagt, was geht
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Was drinsteht

Unser Familienregeln-Plakat

Ganz aufhängen oder die Regeln ausschneiden, die bei euch gerade zählen. Die leere Karte ist für eure eigene.

Wir sind freundlich zueinander
Gilt für alle, auch für die Großen. Kinder lernen Freundlichkeit vor allem dadurch, wie sie selbst angesprochen werden.
Wir gehen sanft miteinander um
Statt „Nicht hauen“: Hände und Füße tun niemandem weh. Wer wütend ist, darf stampfen oder Hilfe holen.
Wir hören einander zu
Einer redet, die anderen hören. Das gilt am Esstisch genauso wie im Streit.
Wir sagen, was wir brauchen
Statt zu quengeln, zu schreien oder einfach zu nehmen: „Ich brauche Hilfe“, „Ich will auch mal“, „Ich brauche Ruhe“.
Alle Gefühle dürfen sein
Wut, Traurigkeit und Angst sind erlaubt. Nicht alles, was man aus Wut tut, ist erlaubt.
Fehler dürfen passieren
Wer etwas kaputt macht oder jemandem wehtut, hilft beim Wiedergutmachen. Eine Entschuldigung zählt mehr, wenn sie nicht erzwungen ist.
Wir räumen zusammen auf
Nicht „Räum dein Zimmer auf“, sondern zusammen anfangen. Was jemand rausgeholt hat, kommt auch wieder zurück.
Wir helfen einander
Jeder macht mit, so wie er kann: Tisch decken, Schuhe wegräumen, die Katze füttern.
Beim Essen sitzen wir zusammen
Eine gemeinsame Mahlzeit am Tag, bei der alle am Tisch sind und erzählen dürfen.
Medienzeit sprechen wir vorher ab
Wann und wie lange, legt ihr gemeinsam fest, bevor das Gerät angeht. Dann muss niemand mitten im Film verhandeln.
Abends wird es ruhig
Nach dem Abendessen wird es leiser im Haus: Licht dimmen, Geschichten, Kuscheln.
Unsere eigene Regel
Die Regel, die nur bei euch gilt. Formuliert sie als Wir-Satz, der sagt, was geht.

Warum wenige Regeln mehr bringen als viele

Fast jede Familie hat Regeln, nur stehen sie meist in niemandes Kopf gleich. Die Mama sagt dies, der Papa das, bei Oma gilt etwas anderes. Kinder testen dann nicht aus Bosheit, sondern weil sie herausfinden wollen, was wirklich gilt.

Ein Plakat macht das sichtbar. Es hilft vor allem, wenn die Regeln wenige sind, in Wir-Sätzen stehen und sagen, was geht, statt nur, was verboten ist. „Wir gehen sanft miteinander um“ gibt deinem Kind eine Richtung. „Nicht hauen“ sagt nur, wo die Wand ist.

Und: Familienregeln gelten für alle. Wer selbst am Tisch aufs Handy schaut, kann die Regel „Beim Essen sitzen wir zusammen“ schwer vertreten. Das ist keine Schwäche des Plakats, sondern seine Stärke. Es erinnert auch die Großen.

So stellt ihr eure Familienregeln auf

  1. 1

    Gemeinsam überlegen, wo es gerade hakt

    Setzt euch in einem ruhigen Moment zusammen, nicht direkt nach einem Streit. Fragt: Wann gibt es bei uns oft Ärger? Was wünschen wir uns? Auch kleine Kinder haben dazu erstaunlich klare Antworten.

  2. 2

    Drei bis sechs Regeln reichen

    Wählt die Regeln, die gerade am meisten zählen. Für kleine Kinder genügen zwei oder drei mit Bild. Eine lange Liste liest niemand, und jede Regel mehr macht die wichtigen schwächer.

  3. 3

    Als Wir-Satz formulieren, der sagt, was geht

    „Wir reden leise in der Wohnung“ statt „Nicht schreien“. Der Wir-Satz zeigt, dass die Regel für alle gilt. Die Seite mit den Satz-Tauschen hilft beim Umformulieren.

  4. 4

    Aufhängen, unterschreiben, nach ein paar Wochen anschauen

    Hängt das Plakat auf Kinderhöhe dort auf, wo ihr euch oft trefft. Alle unterschreiben, auch die Erwachsenen. Nach einigen Wochen schaut ihr zusammen drauf: Was klappt schon? Was braucht ihr gerade nicht mehr?

Regeln, die sagen, was geht

Links, wie Regeln oft klingen. Rechts dieselbe Regel als Wir-Satz, den ein Kind befolgen kann.

Nicht schreien!
Wir reden in der Wohnung mit leiser Stimme.
Ein Verbot sagt, was falsch ist. Die Regel sagt, was richtig ist, und gilt für alle.
Nicht hauen!
Wenn ich wütend bin, stampfe ich oder hole Hilfe.
Dein Kind bekommt etwas, das es stattdessen tun kann. Die Wut darf bleiben.
Hör auf, deine Schwester zu ärgern.
Wir fragen, bevor wir etwas nehmen.
Konkret genug, dass beide Kinder wissen, wann die Regel gebrochen ist.
Sei nicht so frech.
Wir sprechen freundlich miteinander, auch wenn wir sauer sind.
„Frech“ ist für Kinder nicht greifbar. „Freundlich sprechen“ schon, und Erwachsene können es vormachen.

Regel-Ideen zum Aussuchen

Kreuzt an, was bei euch passt, und lasst den Rest weg. Keine Familie braucht alle. Eure eigenen Ideen sind meist die besten.

Miteinander und Streiten

  • Wir sind freundlich zueinander
  • Wir fragen, bevor wir etwas nehmen
  • Wir lachen miteinander, nicht übereinander
  • Wir klopfen, bevor wir reingehen
  • Wir sagen, was wir brauchen
  • Nach einem Streit vertragen wir uns wieder
  • Wir machen wieder gut, was wir kaputt gemacht haben

Zuhause und am Tisch

  • Wir räumen zusammen auf
  • Jeder hilft mit, so wie er kann
  • Schuhe und Jacken haben ihren Platz
  • Wir reden in der Wohnung mit leiser Stimme
  • Beim Essen sitzen wir zusammen
  • Am Tisch bleiben die Handys weg, auch die der Großen

Abend, Medien, Unterwegs

  • Medienzeit sprechen wir vorher ab
  • Abends wird es ruhig
  • Auf der Straße halten wir uns an der Hand oder am Wagen fest
  • Wir bleiben in Sichtweite
  • Wenn wir uns verlieren, bleiben wir stehen und warten

Unser eigenes Regel-Plakat

Schreibt eure Regeln als Wir-Sätze auf und lasst dein Kind zu jeder Regel ein Bild malen. Unten unterschreiben alle, auch die Erwachsenen.

Nr.So sagen wir esUnser Bild
1
2
3
Die Tabelle zum Eintragen ist im PDF — zum Ausdrucken und Aufhängen.

Wenn eine Regel gebrochen wird

Das passiert, und es heißt nicht, dass das Plakat versagt hat. Zeig auf die Regel statt eine Predigt zu halten: „Schau mal, was steht da?“ Wenn etwas kaputt gegangen ist, überlegt gemeinsam, wie ihr es wiedergutmacht. Und wenn eine Regel ständig gebrochen wird, ist sie oft zu groß oder passt gerade nicht. Dann gehört sie in die nächste Familienrunde, nicht in eine Strafe.

Häufige Fragen

Welche Familienregeln sind sinnvoll?
Solche, die bei euch gerade wirklich zählen, und davon wenige. Bewährt haben sich Regeln zum Miteinander („Wir gehen sanft miteinander um“, „Wir hören einander zu“), zum Aufräumen und zu gemeinsamen Zeiten wie dem Essen. Jede Regel sollte sagen, was geht, und für alle gelten, auch für die Erwachsenen.
Wie viele Familienregeln sollte man haben?
Drei bis sechs sind für die meisten Familien genug, für kleine Kinder zwei oder drei mit Bild. Je mehr Regeln es gibt, desto weniger Gewicht hat jede einzelne. Lieber nach ein paar Wochen eine Regel tauschen, als von Anfang an alle aufzuschreiben.
Wie formuliere ich Familienregeln für Kinder?
Als kurzen Wir-Satz, der sagt, was erwünscht ist: „Wir reden mit leiser Stimme“ statt „Nicht schreien“. Konkret genug, dass dein Kind weiß, wann die Regel eingehalten ist. Ein Bild daneben hilft Kindern, die noch nicht lesen können.
Familienregeln für Kleinkinder: Geht das schon?
Ja, mit wenigen Regeln und Bildern. Kleinkinder verstehen eine Regel meist besser, wenn du sie im Moment zeigst und vormachst, als wenn sie nur auf dem Plakat steht. Das Plakat ist dann vor allem eine Erinnerung für dich: Welche zwei Dinge sind uns gerade wichtig?
Was tun, wenn sich mein Kind nicht an die Familienregeln hält?
Auf das Plakat zeigen statt schimpfen, und bei Kaputtem gemeinsam wiedergutmachen. Wird eine Regel ständig gebrochen, ist sie oft zu groß oder passt nicht zum Alter. Dann gehört sie in die nächste gemeinsame Runde und wird kleiner oder neu formuliert.
Gelten Familienregeln auch für Teenager und Eltern?
Ja, gerade deshalb heißen sie Familienregeln. Mit Jugendlichen lohnt es sich besonders, die Regeln auszuhandeln statt vorzugeben, etwa zu Handys am Tisch, Bescheidsagen und Ruhezeiten. Regeln, an die sich die Erwachsenen selbst halten, haben bei Teenagern die besten Chancen.

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